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Mzungus und ihre Ziegen

Autor: Bianca | Datum: 11 September 2016, 19:12 | 0 Kommentare

Am Samstag morgen steige ich gespannt in ein Daladala Richtung "Posta". So wird ein großer Busbahnhof in der Innenstadt Dar es Salaams genannt. In der Nähe ist unter anderem das VEM Office, die Wohnung meiner Mentoren und das YMCA Hostel, in dem wir die ersten Nächte verbracht haben. So kommt es also, dass ich mich in diesem Viertel schon einigermaßen gut aus kenne.

Direkt neben dem VEM Office ist die Azania Front Church. Anfangs hatte jemand erwähnt, dass es dort einen Posaunencho gibt. Also erkundige ich mich und erfahre, dass die Probe in wenigen Minuten beginnt. Ich freue mich, auch wenn es noch fast eine Stunde dauert bis alles zum spielen bereit ist. Während ich zuhöre und mit lese bemerke ich, wie ich meine Proben und meine Posaune vermisse. Bevor ich gehe verspreche ich mit zu spielen, wenn meine (Plastik) Posaune angekommen ist.

Petra, Matthew und ich fahren luxeriöser Weise mit einem Taxi zu den Ziegenrennen, was sich als sehr gute Idee herraus stellt, denn der Parkplatz ist ziemlich überfüllt. Nach 4 Euro Eintritt und einer Sicherheitskontrolle (Männer werden kontrolliert, Frauen nicht) kommt man auf ein großes, eingezäuntes Gelände. Das erste was mir auffällt sind die vielen "Mzungu".

"Mzungu" ist ein tansanischer Begiff für weiße Menschen. Ich habe mir aber sagen lassen, dass Chinesen und Araber nicht dazu zählen. Ihr müsst euch vorstellen, auf der Straße oder in Daladalas sieht man nicht oft Weiße, und wenn doch wird man angestarrt und hört murmelnd überall "Mzungu". Ich muss sagen, angenehm finde ich das nicht. Man fühlt sich leicht wie ein Tier im Zoo und man kann nirgendwo einfach anonym bleiben. Deshalb bin ich von mir selber überrascht, als ich mir denke "Wow, so viele Mzungu!".

Die Ziegenrennen an sich sind nicht sehr aufregend. Die Tiere laufen maximal 60 sekunden im Kreis und tun mir wirklich Leid. Sie werden alle ziemlich grob angefasst und verstehen wahrscheinlich gar nicht, weshalb sie jeder so anschreit. Aber sie haben lustige Namen wie "Scarlet Goat´hara" oder "Goatemon".

Engländer haben die Ziegenrennen in Dar es Salaam eingeführt, nach dem Beispiel der englischen Pferderennen. Man kann auf eine Ziege wetten und wenn diese gewinnt, darf man endscheiden an welche wohltätige Organisation das Geld gespendet wird. Es gibt zum Beispiel Frauenrechtsorganisationen und Umweltschützer.

Deshalb sind die meisten Besucher auch weiß und man sieht viele extravagante Hüte und noch mehr nackte Haut, was sonst sehr untypisch für Tansania ist. An vielen Ständen wird Alkohol angeboten und auf den meisten Tischen stehen eigene Zapfhähne. Ein paar Besucher tragen gelbe Helme mit Bierdosenhaltern und langen Strohhälmen. Die Stimmung ist ausgelassen, man kann ahnen wieso.

Der Rückweg ist etwas kompliziert, da ich den Weg bis jetzt nur in die eine Richtung gefahren bin. Als ich mal wieder merke, dass ich mich verlaufen habe frage ich eine Polizistin, die an einer großen Kreuzung steht. Sie läuft kurzerhand auf die Kreuzung und hält unter meinem Protest den ganzen Verkehr an, um mir das richtige Daladala herraus zu fischen. Ich steige beschämt ein und endschuldige mich, denn jetzt ist mir die komplette Aufmerksamkeit aller Fahrgäste sicher.

Der Heimweg ist geprägt von vier Jungs, die mich etwas bedrängen. Sogar mein Fake Verlobungsring schreckt sie nicht ab. Aber glücklicherweise habe ich eine nette, alte Dame neben mir sitzen die ab und zu mit ihnen schimpft und sie mir so gut es geht vom Leib hält. Insgesamt sind mir die meisten Frauen bis jetzt auch sympathischer als viele Männer. Wahrscheinlich weil sie etwas zurückhaltender und nicht so aufdringlich sind.

Ich gehe früh schlafen, da Caroline mich Sonntag morgen früh zur Kirche abholt. Der Gottestdienst dauert ca. 5 1/2 Stunden und ist auf Kiswahili. Es wird aber viel gesungen und getanzt. Die Kirche ist noch im Bau, aber jetzt schon gigantisch. Sie ist fünfstöckig und der Gottesdienst findet ganz oben unter freiem Himmel statt. Am Ende werden noch Hühner, ein Herd, Kuchen und Bananenstauden versteigert um für den Weiterbau zu sammeln. Bis jetzt habe ich mich im Gottesdienst immer under dressed gefühlt, da alle wirklich ihren besten Sachen anziehen, vergleichbar mit unserem Heiligabend "Dresscode". Ich habe einfach nur praktische Klamotten dabei, gemütlich und bedeckend. Bald werde ich mir mal etwas schneidern lassen müssen.

Es war auf jeden Fall interessant mal einen richtig tansanischen Gottesdienst mit zu erleben. Trotzdem war ich froh, als er endlich zuende war. :D

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